QUARANTÄNE: Seit 01.04.2020 Coronavirus auch in der Asylbewerberunterkunft Mannheimerstraße!

04.04.2020

Es konnte nicht ausbleiben, dass einige von den 171 Männern, die in der Unterkunft Mannheimerstraße leben müssen, auch von dem Virus befallen werden. Die Konsequenz jedoch ist böse: 171 Personen sind gemeinsam in Quarantäne auf 0,8 Hektar eingesperrt. (Die Infizierten selbst und ihre Zimmergenossen wurden am 3. Tag in eine andere leere Einrichtung gebracht).

Seit fünf Jahren besteht diese Sammelunterkunft. Wir haben damals sehr davor gewarnt. Bei den damaligen hohen Flüchtlingszahlen war es vielleicht sinnvoll. Aber nur als vorübergehende Notaufnahme.

Jetzt besteht die Sammelunterkunft nicht nur immer noch, im Gegenteil: die neuen Punkthäuser im Laudinring mit 3-Zimmer-Einheiten für bis zu 9 Personen wurden geschlossen und die Männer in die Mannheimerstraße verlegt. Hier leben sie in 2-3-Bettzimmern, gemeinsamer Küchen- und Toilettenbenutzung für etwa 20 Personen. Seit Jahren schon befindet sich die Anlage in sehr schlechtem hygienischem Zustand, was wir immer wieder bei der Stadtverwaltung angemahnt hatten.

Die Quarantäne mit so viel Menschen zu versorgen ist für die Stadtverwaltung ein sehr schwieriges Unterfangen. Dass sie, wie im Zeitungsinterview dargestellt, gut vorbereitet gewesen wäre, kann man nicht so erkennen. Es wurden keine Vorsorgemaßnahmen in Bezug auf die Hygiene oder Aufklärung der Bewohner ergriffen, keine Überlegung der Umsetzung auf kleinere Einheiten (z.B. im leerstehenden Laudinring) ergriffen. Seifenspender sind erst für die nächste Woche angekündigt!

Jetzt ist das Kind in den Brunnen gefallen! Die Männer sind eingesperrt. Es wurde sogar vorsorglich in Windeseile ein Sichtschutz an dem schon bestehenden Zaun angebracht (soll der gegen Viren helfen?)

Ein Teil der Männer hat schon längst eine Aufenthaltsgenehmigung, findet aber keine Wohnung auf dem freien Markt. Eine ganze Reihe hat Arbeit und darf jetzt nicht mehr zur Arbeit gehen. Sie fürchten natürlich um ihre mühsam gefundene Arbeitsstelle.

Die Männer einzusperren und auch die entsprechenden Zeitungsartikel suggerieren, dass von ihnen, den Fremden, die Gefahr der Ansteckung der Stadtgesellschaft ausgeht.

In Wirklichkeit ist die Gefahr der Ansteckung für diese Männer auf engstem Raum sehr groß. Möglichst fern von anderen aufzuhalten, geht hier überhaupt nicht.

Die Männer haben Angst vor Ansteckung, wissen nicht, wie sie sich schützen können.

Wenn die angeordneten 14 Tage Quarantäne vorbei sind, aber sich inzwischen neue Ansteckungsfälle ergeben haben, wird die Quarantäne wohl fortgesetzt werden müssen. Wie lange?

Wären die Männer in kleineren Gruppen untergebracht, wäre die Chance viel größer, dass sie die Quarantäne frei von Ansteckung überstehen und wieder frei sein und zur Arbeit gehen können.

Menschen in Quarantäne dürfen nicht gekündigt werden, bekommen ihren Lohn 6 Wochen weiter, danach wie Krankengeld.

Trotzdem besteht natürlich die Gefahr, dass die geflüchteten Männer ihren Arbeitsplatz verlieren. Sie sind noch nicht lange dort, haben die am schlechtesten bezahlten, schwersten, schmutzigsten Arbeitsplätze, oft mit Zeitvertrag. Sie sind in der Zeit der Quarantäne daran gehindert, ihre Tüchtigkeit, Zuverlässigkeit und Engagement zu zeigen, was ja eine Voraussetzung zur Weiterbeschäftigung ist.

(Marianne)

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